Nervender Baulärm

So schnell kann sie vorbei sein, die gesetzlich verankerte Sonntagsruhe: Am Sonntag, 7. April, war es für die Anwohner in Bahnhofsnähe um 9 Uhr schon vorbei mit der Ruhe. Seit Anfang Februar wird der Bahnhof Dormagen für den Halt des neuen Rhein- Ruhr-Express (RRX) umgebaut. Der Bahnsteig soll bis voraussichtlich Mitte Mai um 70 Meter verlängert werden. Das hat zur Folge, dass Teile des Parkand- Ride-Bereichs – immerhin 25 Stellplätze – direkt gegenüber der Baustelle an der Zonser Straße für Container, Baufahrzeuge und Baumaterial seitdem gesperrt sind. Am Sonntag, 7. April, war auf der Baustelle bis in den Nachmittag hinein jede Menge los. Den sehr lauten Geräuschen nach zu urteilen, die auch im alten Malerviertel ab 9 Uhr sehr gut zu hören waren, wurde dort unter anderem mit einer großen Ramme gearbeitet. Auf der Baustelle selber waren noch nachmittags diverse Arbeiter und ein Bagger im Einsatz. Unsere Redaktion erreichten danach einige Anwohnerbeschwerden. Neben der Lärmbelästigung und der Frage danach, wer denn die Bauarbeiten an einem Sonntag genehmigt habe, wurde dabei vor allem die fehlende Information im Vorfeld kritisiert. Nach Angaben eines Bahnsprechers hat es eine solche Vorabinformation seitens der Baufirma, der „THG Baugesellschaft mbh“, im Vorfeld in Form einer Wurfzettelverteilung gegeben. Darin ist zu lesen, dass wegen des dichten Zugverkehrs am Tage auch in den Nächten gearbeitet werden müsse. In welchem Umkreis von der Baustelle diese Wurfzettel verteilt wurden, das konnte unsere Redaktion im Kontakt mit der Deutschen Bahn AG, mit dem Rhein-Kreis Neuss (Untere Immissionsschutzbehörde) und mit der Bezirksregierung Düsseldorf nicht genau klären. Manchmal, so ein Bahnsprecher, würde ein Radius gezogen, manchmal würden genaue Straßen- und Hausnummerbereiche definiert. Die Stadt Dormagen jedenfalls wusste nach Angaben ihrer Pressestelle von den Bauarbeiten am vergangenen Sonntag nichts. Die Pressestelle der Kreisverwaltung bestätigte, dass das Amt für Umweltschutz der bauausführenden Firma als Antragsteller für den Umbau der Bahnsteige 1 und 2 eine Ausnahmegenehmigung für Nachtarbeiten (zwischen 22 und 6 Uhr) erteilt hat. „Diese Genehmigung gilt für die Zeiträume 19.02. bis 21.02., 02.03. bis 03.03., 06.04. bis 18.04. und 23.04. bis 27.04.“, schrieb Reinhold Junge von der Pressestelle des Rhein-Kreises Neuss. Genau diese Zeiträume finden sich auch auf dem Wurfzettel, den die Bahn der Redaktion zugeschickt hat. Für die Arbeiten tagsüber an einem Sonntag, so Junge weiter, sei „jedoch die Bezirksregierung Düsseldorf die zuständige Genehmigungsbehörde (Befreiung von den Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes).“ Das sieht die Bezirksregierung auf Anfrage unserer Redaktion anders: „Einen entsprechenden Antrag gab es bei uns nicht, aber der wäre aufgrund der gesetzlichen Regelung, dass Sonntagsarbeit zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung – worunter auch die Erfüllung gesetzlicher Pflichten wie der Personenbeförderungsauftrag der DB AG fällt – auch nicht erforderlich gewesen“, schrieb uns Pressesprecherin Dagmar Groß. Immerhin teilte die Kreisverwaltung noch mit, dass die Genehmigung mit Auflagen verbunden sei: So muss die Baufirma die Polizei vorab vor Nachtarbeiten informieren und in dem Wurfzettel ist zu begründen, warum die Nachtarbeiten notwendig sind – „und dies vor jedem Bauabschnitt“. „Andere Nebenbestimmungen betreffen zum Beispiel die Maschinen, die eingesetzt werden dürfen“, führte der Pressesprecher des Rhein-Kreises Neuss aus. (Oliver Baum)