Mehr Frauenpower! Gleichstellung der Geschlechter ist immer noch keine Realität

Seit 1911 wird alljährlich der „Internationale Tag der Frauen“ begangen. Der 8. März ist weltweit zu einem wichtigen Datum geworden, an dem auf die Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird. Dass dieser Tag nach wie vor wichtig ist, beweist ein Rückblick. Denn es ist noch nicht allzulange her, dass Frauen in Deutschland auch extrem benachteiligt waren.

Das Motto des diesjährigen Frauentages lautet „#PressforProgress“: Auf Fortschritt beharren. Warum? Weil die Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland und in der Welt immer noch keine Realität ist. Vieles ist zwar schon besser geworden, aber gerecht noch lange nicht. Dass es uns Frauen im Vergleich zu denen in anderen Ländern so gut geht, ist noch gar nicht so lange her. Ein Rückblick beweist das: Erst vor 49 Jahren, also 1969, wurden verheiratete Frauen geschäftsfähig. Das bedeutet, sie konnten erst dann eigenständig, ohne die Unterschrift ihres Mannes, einen Vertrag abschließen. Heute ist es selbstverständlich, dass eine Frau ein eigenes Bankkonto hat. Bis 1962 war dies den Frauen untersagt. Kaum eine Frau kann sich heute sicherlich vorstellen, dass ihr Ehemann einfach zu ihrem Arbeitgeber gehen kann und ihr Arbeitsverhältnis fristlos kündigt. Bis Juli 1958 war das aber tatsächlich möglich. Viel schlimmer war es früher, wenn Frauen Opfer ihres eigenen Ehemannes wurden, der sie vergewaltigte. Wenn dann die Frage von Seiten der Polizei kam, in welchem Verhältnis Opfer und Täter stehen, und die Antwort lautete „Wir sind verheiratet“, sah es schlecht aus. Meist konnten sie dann nach Hause gehen. Denn nur eine außereheliche Vergewaltigung wurde unter Strafe gesetzt. Das Gesetz, das Vergewaltigungen in der Ehe zur Straftat machte, trat erst am 1. Juli 1997 in Kraft – also vor nunmehr 21 Jahren. Alle diese Beispiele zeigen, früher erging es uns Frauen meist nicht viel anders, als denen, die noch heute unter einem Patriarchat leben müssen. Zudem arbeiten in Deutschland heute mehr Frauen als Männer Teilzeit, mehr in pflegerischen Berufen und im Einzelhandel, in den Chefetagen hingegen sind sie nach wie vor rar.

Erst 2004 gab es die erste Frau in einem DAX-Unternehmen. Es war die Niederländerin Karin Dorrepaal, die damals in den Vorstand von Schering gerufen wurde. 13 Jahre später, Mitte 2017, war die Zahl auf 25 Frauen (12,5 Prozent) angestiegen. Da war die Politik schon „frühreifer“. Denn bereits 1993 wurde mit Heide Simonis eine Frau erstmals in Deutschland Ministerpräsidentin (Schleswig-Holstein). Und seit 2005 wird Deutschland von Angela Merkel als Bundeskanzlerin regiert. Und in Dormagen? Da gab es beispielsweise noch nie eine hauptamtliche Bürgermeisterin, wohl aber eine zweite stellvertretende. Das war Christiane Kemmerling. Sie vertrat von 1999 bis 2004 den Bürgermeister auf repräsentativen Veranstaltungen wie beispielsweise ein Schützenfest. Und zurzeit findet sich auch keine Frau an der Fraktionsspitze einer hiesigen Partei. Lediglich die FDP hatte mit Beate Brebeck und Katrin Möll zweimal eine Frau an der Front. Aber das ist lange her. Und wer als Frau auf die Gehaltsabrechnung schaut, weiß, dass der männliche Kollege in der Regel bei gleicher Arbeit mehr verdient. Aus diesem Grund wurde auch der „Ecual Pay Day“ ins Leben gerufen, der in diesem Jahr auf den 18. März fällt. Das bedeutet: Bis zu diesem Tag haben Frauen umsonst gearbeitet, während die Männer bereits seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt wurden. Der „Equal pay Day“ wurde vom Verein „Business and Professional Woman Germany“ initiiert. -A. Lemke

Frauen und Männer sind immer noch nicht zu 100 Prozent gleichgestellt.
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