Luxusgut Wohnraum

Es ist zum Haare raufen. Wer alleinstehend ist, hat es schwierig eine günstige Wohnung in Dormagen zu kommen. Auch für Familien zeigt sich das gleiche Dilemma. Wohnraum scheint ein neues Luxusgut zu sein. Wer ins Internet geht und zum Beispiel auf einem Immobilienportal eine Wohnung sucht, findet gerade mal zehn Wohnungen. Nicht viel besser sieht es bei hiesigen Immobilienmaklern aus. Insgesamt fehlen für Dormagen 2.700 Wohnungen bis zum Jahr 2030. Aber auch im Bereich der Sozialwohnungen sieht es düster aus. Die Inwis-Studie geht nämlich von einem Bedarf von circa 650 öffentlich geförderten Mietwohnungen aus. Zum Stichtag 31. März gab es 206 Wohnungssuchende für Sozialwohnungen in Dormagen. Die werden zunächst in eine Liste aufgenommen und sobald es eine Freimeldung für eine Sozialwohnung gibt, können Haushalte in diese Wohnung vermittelt werden. „Wenn gewünscht oder erforderlich vermitteln wir auch in direktem Kontakt mit den Vermietern aus Dormagen und schlagen eine Familie oder Person als potenzielle Mieter vor. Dazu zählen auch derzeit von der Stadt angemietete Wohnungen von der Baugenossenschaft, die nach und nach von den Bewohnern selbst angemietet werden sollen“, erklärt Stadtpressesprecher Max Laufer das Vorgehen. Vor allem brauchen diese Menschen Geduld und Ausdauer, denn es kann zuweilen lange dauern, bis sie an solche eine Wohnung kommen. Um diesem Trend entgegen zu wirken, veräußert die Stadt auch Grundstücke, die für den öffentlich geförderten Wohnungsbau ausgewiesen werden. Solch eines wird gerade an der Ecke Hardenberstraße/ Nettergasse angeboten. Im Baugebiet Nievenheim hat die Stadt ebenfalls ein Grundstück veräußert zum Bau für Geschosswohnungen. Der neue Eigentümer hat zwischenzeitlich einen Antrag auf Förderung von neun Wohnungen beim Rhein-Kreis Neuss gestellt, wie die Stadt mitteilt. Insgesamt entstehen dort 27 Wohnungen, also eine gemischte Anlage aus frei und öffentlich finanzierten Wohnungen. Das alles wirkt aber wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. In Dormagen müssten jedes Jahr 250 Wohnungen entstehen, damit der Bedarf gedeckt wird. Das berichtete im vergangenen Jahr der Erste Beigeordnete Robert Krumbein. Doch wie soll das geschehen? In 2017 wurde laut einer LBS-Studie in Dormagen gerade mal 155 neue Wohnungen gebaut. Und das obwohl Bund und Land die Fördermittel bis 2022 aufgestockt haben. Das ist interessant für Investoren. Doch woher sollen die benötigten Grundstücke kommen? Vor 15 Jahren hatten die „Bürger für Dormagen“ eine Vision. Daran erinnerte dieser Tage Dr. Dietrich Krueger. Der ehemalige Kommunalpolitiker, der auch mal Bürgermeisterkandidat war, genießt sein Rentnerdasein, verfolgt aber nach wie vor, was in Dormagen geschieht. „Damals hatten wir die Idee zu einem Stelzenbau auf dem Parkplatz ,Unter den Hecken’. Der Parkraum wäre geblieben und darüber hätte ein riesiges Ladenlokal gebaut werden können. Das Grundstück gehört der Stadt. Sie könnte die Idee aufgreifen und statt des Ladenlokals sozialen Wohnraum schaffen“, erklärte Krueger, und weiter: „In solchen Zeiten, wo Wohnraum immer mehr zum Luxusgut mutiert, sollten alle Ideen auf den Tisch und überprüft werden.“ (Andrea Lemke)