Dormagener Tafel arbeitet auch am absoluten Limit

Claudia Manoussek ist in diesen Tagen eine gefragte Frau. Sie ist nämlich nicht nur Gründerin der Dormagener Tafel, sondern auch stellvertretende Landesvorsitzende der Tafeln in NRW. Seit die Essener Tafel für mächtig Wirbel in den Medien sorgt, weil sie keine neuen Flüchtlinge mehr versorgt, steht ihr Telefon nicht mehr still. Doch wie sieht es eigentlich mit der Dormagener Tafel aus?

Rund 1.500 Menschen versorgt alleine die Dormagener Tafel jede Woche. Das ist ein logistisch und organisatorisch immenser Aufwand. Durch die Flüchtlingswelle hat sich auch vor Ort die Situation in den vergangenen zwei Jahren deutlich verändert. „Wir mussten eine massive Umstrukturierung vornehmen und haben durch die Flüchtlinge viel mehr Menschen zu versorgen, aber immer noch die selbe Anzahl an Lebensmitteln“, so Manoussek, die bereits seit 13 Jahren die Dormagener Tafel leitet. Es gäbe in der Tat einen Verdrängungsprozess. „Alle Tafeln arbeiten am Limit, auch wir“, so die Macherin. Sie kann die Entscheidung des Essener Tafelleiters gut nachvollziehen. „Er musste die Notbremse ziehen.“ Die Essener Tafel sei eine Vorzeigetafel, da sie nur mit Ehrenamtlern arbeite. „Wenn ich das müsste, würden wir untergehen“, erklärt Manoussek. Vor allem habe die Essener Tafel vorwiegend ausländisches Klientel. Das sei eine andere Situation als vor Ort. „Es gibt Tafeln, die haben riesige Wartelisten, so groß ist der Andrang. Oder anders gesagt, es gibt so viele Menschen, die sich ihr Essen einfach nicht mehr leisten können. Wartelisten oder Ausschlüsse gibt es aber in Dormagen nicht. Dennoch gibt es Probleme. Das liege vor allem an der Sprachbarriere und den kulturellen Hintergründen der Flüchtlinge. „ Die Menschen verstehen unsere Sprache nicht und sie sind alleine durch ihre Kultur viel lebendiger. Sie haben oftmals ein anderes Verständnis von den Dingen als unsere Landsleute.“ In Dormagen werde aber keine Oma zur Seite gedrängt, es gehe gesittet zu. „Bei uns stehen die Menschen in drei Reihen an, ähnlich wie am Flughafen“, sagt Manoussek. Man habe zudem rechtzeitig gegen gesteuert, damit so etwas wie in Essen erst gar nicht passiert. „Aber wir sind auch in einer besseren Lage, weil wir vergleichsweise eine kleine Stadt sind. „ Damit gerade die Älteren und Alleinerziehende nicht zu kurz kommen, wurden die Ausgabezeiten vor Ort schon vor längerer Zeit geändert und mit einem Nummernsystem strukturiert. Heute werden jeden Montag und Donnerstag jeweils rund 600 Familien versorgt. Mittwochs hingegen kommen die rund 120 Einzelpersonen zum Zug. Darüber hinaus versorgt die Dormagener Tafel auch dienstags die Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kommen können. Das bedeutet konkret: Sie fährt die Lebensmittel zu den Menschen, die sie wirklich bitter benötigen. Dennoch hat auch die Dormagener Tafel zu kämpfen. Nicht mit Flüchtlingen, sondern damit, dass zum Beispiel gerade jetzt Gemüse und Obst knapp sind. „Da greifen wir auf unseren Vorrat an Konserven zurück. Daher sind wir immer auf Spenden wie zum Beispiel Reis und Nudeln angewiesen, aber auch auf Geld. Der Betrieb der Dormagener Tafel kostet 100.000 Euro im Jahr. Das müssen wir gestemmt bekommen, damit wir die Menschen versorgen können“, so Manoussek abschließend. Wann die Dormagener Tafel Lebensmittel annimmt, finden Spender im Netz auf www.dormagener-tafel.de. Auch die Kontoverbindung ist dort zu finden. -Andrea Lemke

Claudia Manoussek und das Team der Dormagener Tafel versorgen allein in Dormagen 1.500 Menschen. Foto: Andrea Lemke